Mole End

Kenneth Grahames „Der Wind in den Weiden“ ist einer der großen Kinderbuchklassiker (wenn auch in Deutschland nicht annähernd so verbreitet, wie er sein sollte). Die Handlung zerfällt grob in zwei Teile: Die Abenteuer des selbstverliebten Kröterichs und die Geschichten, die sich um das Leben „am Fluß und mit dem Fluß und auf dem Fluß und im Fluß“ ranken. Diese Erzählungen sind die eigentlichen magischen Momente des Buches, und der vielleicht schönste von allen ist Kapitel 7: Der kleine Otter ist abhandengekommen, und die Wasserratte und ihr Freund Maulwurf machen sich auf, um ihn zu suchen. Flötenklänge führen sie zu dem Ort, wo Gott Pan über den Otter gewacht hat, bis er in Sicherheit ist. Und während die Erinnerung verblaßt, wird die Musik zum Wind in den Weiden… Um so unverständlicher, daß ausgerechnet dieser titelgebende Text oft gestrichen wird; hier endlich steht er im wohlverdienten Mittelpunkt.

Aber so schön das Leben am Fluß auch ist, einmal packt den Maulwurf doch das Heimweh, übermächtig und herzzerreißend. Wie gut, daß die Ratte ein Tier der Tat ist und ihm hilft, den Weg zurück nach „Mole End“ zu finden. Kenneth Grahame muß ein Herz für Illustratoren – auf dem Papier oder in Miniatur – gehabt haben, denn der Text verrät detailreich, was es braucht: Vor einer Haustür mit Klingelzug erstreckt sich ein gepflegter Platz, wo Gartenstuhl und -werkzeug stehen, Kegelbahn und Goldfischteich zum Verweilen einladen und die Wände voller Farn und Gipsbüsten sind. Wie sich das für einen Maulwurfsbau gehört, befindet sich diese Szene auch hier im Untergeschoß.

Selbst die umgebende Kiste hat übrigens ihre eigene Historie: Als ehemalige Transportbox für Ersatzteile stammt sie aus der Vorväter Zeit und blieb in der Familie.

Und nun verlassen wir uns darauf, dass sich stets alles zum Guten wendet, solange die kleinen Tiere zusammenhalten. Auch der Dachs läßt schön grüßen, möchte aber auf keinen Fall gestört werden.

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