Das Glück der kleinen Leute

Nach ca. 10 Jahren Kisten- und Hausbau für und mit meiner „besseren Hälfte“ und für Minifreunde wollte ich ein Haus mal nur nach meinen Vorstellungen bauen, gestalten und einrichten. Durch meine Modellbahnvergangenheit kam nur ein Haus aus wilhelminischer Zeit in Frage. Da wir ursprünglich im Ruhrgebiet heimisch waren, sollte es dann auch aus dieser Gegend sein.

Das Ziel war es, ein Haus im Stil der Zeit um 1900 zu bauen, mit einem für damalige Zeiten typischen Grundriss. Nach intensiver Suche in diversen Büchern und Broschüren wurde ich fündig.

„Normale“ Einfamilienhäuser sind einfach zu groß zum nachbauen. Umsetzbar waren nur sogenannte „Arbeiterhäuser“.

Das Original meines ersten Hauses wurde ca. 1897 in Essen im Auftrag von F. A. Krupp für „alte invalide Arbeiter“ gebaut. Ein altes Foto gibt es auch. Ob es heute noch steht, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Trotz des kleinen Grundrisses wurde das Miniaturhaus ca. 65 x 75 cm (ohne Dachüberstände) groß.

Aus meiner Modellbahnerfahrung wußte ich, daß man sich zunächst eine „Legende“ zurechtlegen sollte, um ein solches Haus zu planen – wer lebte dort, welcher Arbeit waren die Bewohner nachgegangen, wie alt waren sie, wie groß war ihre Familie und vor allem, wie waren ihre Namen.

Wenn man die Legende vor Augen hat, ist es ein bißchen wie „lieber Gott“ spielen, man erschafft eine kleine Welt, und die Figuren erwachen zum Leben.

Als nächstes wurden die Baupläne erstellt und das Haus konstruiert. Dabei habe ich die Nutzung eines Raumes abgeändert, um mehr Möglichkeiten der Gestaltung zu haben. Der Trockenboden mußte einem Wohnraum weichen.

Solche Raumumnutzung kam immer wieder vor. Die Wäsche wurde angenommenerweise in einem Nebengebäude gewaschen und getrocknet. Bei Arbeiterhäusern waren Nebengebäude nicht unüblich (Das Nebengebäude werde ich später noch bauen, im Moment muß „Anna“ noch in der Küche waschen!).

Nun hatte das Haus eigentlich zwei Wohnräume, und so konnte ich einen dieser Räume zum Musik- und Arbeitszimmer (Salon) ausgestalten. Wichtig war mir, daß das Haus auch in den Nebenräumen (Treppenhaus, Abort und Windfang) authentisch ist. Obwohl das Vorbild ein kleines Häuschen war, erscheint das 1 : 12 Haus wie eine kleine Villa, was durchaus auch beim Vorbild von den Architekten gewollt war.

Diese Art von Häusern macht mir sehr viel Spaß, und da es noch andere Häuser zum nachbauen gibt, wird es mit der Siedlung weitergehen, wenn da nicht immer das leidige Platzproblem wäre. Da wird wohl nur das Veräußern der „Immobilien“ übrigbleiben.

Die Inneneinrichtung des Hauses war für mich eine echte Herausforderung, denn ich hatte ja noch kaum in dieser „Größe“ gearbeitet, mein Maßstab bei der Eisenbahn war 1:160 gewesen

Gemeinsam mit meiner Frau hatte ich schon unzählige Börsen besucht und mir auch immer mit Interesse alles angeschaut, aber jetzt, wo es um mein eigenes Haus ging, war es ganz etwas anderes! Ich sah die Minis mit anderen Augen und verstand plötzlich das Fieber, in das meine Frau auf solchen Börsen geriet. Das Aussuchen und Entscheiden machte riesigen Spaß.

Ich fand 4 Gießharzpuppen, die genau meinen Vorstellungen über die Bewohner meines Hauses entsprachen, und taufte sie Anna und Jupp. Die beiden Enkelkinder haben keine Namen.

Annas Küche wurde mit Chrysnbon Kunststoffbausätzen eingerichtet, den Tisch und die Bank fertigte ich selbst, da ein runder Tisch wie der von Chrysnbon in Deutschland nicht üblich war. Der schöne Küchenofen stammt von einem Künstler aus den Niederlanden. Ich mußte um die Ofenrohrverlängerung kämpfen! Der Verkäufer wollte sie nicht hergeben, da sie dann bei 2 anderen Öfen gefehlt hätten, aber ich habe gewonnen. Ohne das lange Ofenrohr, welches früher häufig durch die ganze Küche verlief, wäre die Küche nicht authentisch gewesen.

Das Schlafzimmer ist hauptsächlich mit Möbeln von Jean Luc Caillat eingerichtet, das war für mich von Anfang an klar. 2 Stücke des wunderbaren Reisegepäcks sind von Herrn Gomez aus Spanien, die Reisetasche, nicht minder edel, hat meine Frau gefertigt, ebenso wie das komplette Bettzeug, das gestickte Wandbild, die Nachtwäsche, die Stiefelchen und die Pantoffeln.

Im Arbeitszimmer ist der Stuhl am Schreibtisch hervorzuheben, den Herr Caillat nach dem Vorbild des Originals in unserem Wohnzimmer angefertigt hat; es ist unser Lieblingsstuhl, ein Erbstück von meinem Vater. Der Rest der Möbel ist gemischter Herkunft, einiges ist von Chrysnbon, andere Sachen sind preiswerte Holzteile, und der gemütliche Sessel beim Bücherregal ist aus Gießharz.

Das Wohnzimmer, in dem Jupp es sich zum lesen gemütlich gemacht hat, wenn seine spielende Enkelin ihn nur lassen würde, ist mit einer edlen Sitzgarnitur ausgestattet. Die „Behäkelungen“ wie übrigens auch alle Gardinen an den Fenstern, stammen wieder von meiner Frau, die diese Kleinigkeiten mit Eifer für mich hergestellt hat. Die untere Hälfte der Wände ist mit “ Linkrusta “ bekleidet, eine sehr robuste Wandverkleidung, die heute kaum noch jemand kennt, die aber damals in fast jedem Haus zu finden war.

Das echte Linkrusta für`s Puppenhaus ist recht teuer und natürlich wenn man ihn braucht gerade nicht zur Hand, also habe ich in die Trickkiste gegriffen! Eine alte grobe Spitze wurde auf Pappe aufgeklebt und mit verschiedenen Brauntönen bemalt. Das Ergebnis ist verblüffend echt!

Mittlerweile ist das Haus komplett eingerichtet und ich bin rundum zufrieden mit meinem „Altersruhesitz“ für Anna und Jupp!

Die “ Butterseite “ des Hauses. Der Hauseingang.

01Das Küchenfenster. Die Wände sind herausnehmbar. 03Der Turm. Er ist voll eingerichtet und kann von der anderen Seite durch das Wohnzimmer eingesehen werden. 

02Das Plumpsklo mit Zeitungspapier, wie es früher war.      

08Eine kleine Garderobe

09          Anna kommt vom Einkauf und  Waldi wedelt erwartungsvoll.                                      20

21 Wie früher üblich wird in der Küche auch genäht.

22Heute gibt es Apfelrotkohl, eine handgefertigte Mahlzeit von Rita.

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26 Im Arbeitszimmer von Jupp stöbert der kleine Enkel herum.

Er interessiert sich sehr für die Orgel ! Mal mit einem Finger, obwohl es verboten ist ? 13

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19Im Wohnzimmer halten sich Jupp und seine Enkelin auf.

Schau mal Opa, ich habe gemalt !

Jupp läßt sich gern von seiner Enkelin beim lesen stören.

28Die Tischdekoration und die Kissen sind mit Nähseide gehäkelt.

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32Ein Blick in den Turm

29Von ehemaligen Kumpeln hat Jupp einen Präsentkorb zum Jubiläum bekommen.

33“ Porzellanpapageien “ von Rita

30Eine Spielküche aus Fimo für das Enkelchen.

31Im Schlafzimmer liegt Annas ganzer Stolz, ein

gehäkeltes “ Paradekissen „. Das fehlte früher auf keinem ordentlichen Ehebett.

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12Ein schöner Platz für die Morgentoilette.

dd (75)Wie fast alle Bergleute im Ruhrpott hat natürlich auch Jupp Kaninchen für den

Kochtopf …

06…und Tauben als Hobby und Notration.

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