Die Milchhalle

Willi Koslowski hatte nicht aus Liebe geheiratet, die Braut “ eilte „, wie man so schön sagt.
Er hatte sie auf dem Schützenfest kennengelernt und sie sich “ schöngetrunken „, dann waren sie bei ihr Zuhause gelandet.

Nun war sie also schwanger geworden und Willis Vater meinte nur sehr bestimmt : “ wenn sie Dir dazu gut genug war, ist sie auch gut genug zum heiraten, basta “ !
Da war nichts zu machen und Willi fügte sich in sein Schicksal.

Als der kleine Ferdi auf die Welt kam, schien sich doch noch alles zum Guten zu wenden. Das Kind war ein prächtiges Kerlchen und Willis Frau entpuppte sich als gute Hausfrau und Mutter und Willi war mit seinem Leben ganz zufrieden.

2 Jahre später wurde seine Frau wieder schwanger, diesmal war es ein Mädchen und die kleine Eva schien von Anfang an darauf aus zu sein, Willis ganzes Leben durcheinander zu bringen und ihm Probleme zu bereiten.

Willis Frau starb eine Woche nach Evchens Geburt und da stand Willi nun mit 2 kleinen Kindern und einem harten Job als Gärtner und Hausmeister bei der vornehmen Familie Kastendiek.
Frau Kastendiek war zwar voller Mitlied über das Unglück welches Willi getroffen hatte, aber mehr Freizeit für seine Kinder konnte sie ihm auf keinen Fall gewähren, wo kämen wir denn da hin, wenn jeder Angestellte solche Forderungen stellen würde ? !

Willis Eltern halfen aus so gut sie in ihrem Alter konnten, von seinen Schwiegereltern war nichts zu erwarten, die hatten sich seit dem Tod der Tochter völlig zurückgezogen und gaben Evchen die Schuld, daß sie ihre Tochter verloren hatten.

An der Wochenenden versuchte Willi so gut es ging den Kindern eine Art Familienleben zu bieten, so weit es ihm seine bescheidenen Mittel erlaubten.

Am Ende ihrer Straße gab es einen Milch – und Käseladen mit einem netten Tisch draußen im Freien, wo man gemütlich ein Glas Milch genießen oder sich ein belegtes Brötchen einverleiben konnte.
Dorthin ging Willi mit den Kindern an so manchem Samstag, aber nicht nur der guten Milch wegen ! Die Inhaberin des Geschäftes, Liselotte Komolka, war eine hübsche Person mittleren Alters, mit guter Figur und immer wie aus dem Ei gepellt !
Sie trug stets eine blitzsaubere weiße Schürze und hatte ihr schönes goldbraunes Haar hochgesteckt.
Willi hatte in Erfahrung gebracht, daß sie noch ledig war und er machte sich große Hoffnungen, sie vielleicht als Ersatzmutter für seine beiden Kleinen zu erobern.

Er hatte sich inzwischen regelrecht in die propere Person verliebt und es wurde schon sehr auffällig wie oft er sich mit den Kindern dort aufhielt.

Lieselotte sah Willi gern, nur auf die Kinder schielte sie oft ein wenig mißbilligend, irgendwie konnte sie mit Kindern nichts anfangen und erwartete stets eine Katastrophe, wenn sie in ihrer Nähe waren.
Besonders das quirlige Evchen machte sie nervös, aber sie versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, denn Willi war schon sehr bemerkenswert in seiner Erscheinung und seinem Benehmen und irgendwie wurde es ja nun auch Zeit für Liselotte, die biologische Uhr tickte und so ein Leben als Hausfrau und Mutter im Gegensatz zu der Plackerei im Milchladen war ja durchaus eine verlockende Aussicht.
Man könnte den Milchladen ja verpachten und hätte so noch ein zusätzliches Einkommen zu Willis Verdienst.

Willi ahnte nicht, das Liselottes Überlegungen schon so weit gediehen waren und freute sich nur über ihre Freundlichkeit und nahm sich fest vor, sie am nächsten Samstag zum Tanz einzuladen. Seine Eltern hatten schon zugestimmt, die Kinder zu hüten, denn sie befürworteten seine Wahl durchaus ! Willi putzte sich also am darauffolgenden Samstag schön herau, kämmte Ferdi ordentlich die Haare und zog Evchen ihr schönstes Kleid an, das Matrosenkleidchen mit den teuren schwarzen Lackschühchen.

Willi bestellte sich zur Stärkung eine Käseplatte und Ferdi wollte sein übliches Glas frische Milch. Er leckte sich immer genüßlich den Mund, sie schmeckte einfach köstlich !

Evchen war verschwunden und Willi hoffte, daß sie sich im Inneren des Ladens mit Liselotte anfreunden würde, doch plötzlich ertönte ein gellender Schrei aus dem Verkaufsraum !
Willi stürzte in den Laden und fand Liselotte mit hochgerissenen Armen hinter der Theke, mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen auf das Kind starrend, welches am Boden hockte, sich eine große Schüssel Sahne aus dem Regal gefischt hatte und nun dabei war, diese zu verschlingen.
Die Sahne war überall ! Auf dem Kleidchen im Gesicht, ja sogar bis in die Haare hatte sie sich die weiße Köstlichkeit geschmiert. Alles war versaut, auch der Boden um sie herum.

Willi wußte, das war das Aus für seine Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft ! Mit Katastrophenevchen würde Liselotte sich NIEMALS anfreunden.

Das Gebäude von außen mit Willi und seinem Sohn Ferdi

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Ferdi hat einen Milchkringel auf den schönen Holztisch gemacht !

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So hat man Einblick in das Innere mit Liselotte und Evchen

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Das gemütliche Plätzchen wenn es mal regnet

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Große Milchkannen und selbstgebastelte Schöpfkellen aus Papier

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Leckeres frisches Brot, Käse und ein wenig Wurst

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Evchen, das kleine Schwein

Liselotte ist entsetzt !

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Die anderen Seiten des Hauses

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Wer viel Milch trinkt muss auch mal !

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Im Ruhrpott haben viele Menschen der Arbeiterklasse Tauben,

so auch auch Liselotte

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